Warum niemand einfach eine Zahl nennt

„Was kostet eine Website" ist ungefähr so präzise wie „Was kostet ein Fahrzeug". Die Antwort reicht vom Gebrauchtwagen bis zum Sattelzug, und beides ist ein Fahrzeug.

Das ist keine Ausrede, aber es hilft euch auch nicht weiter. Deshalb hier der umgekehrte Weg. Nicht was es kostet, sondern woraus sich der Preis zusammensetzt. Damit könnt ihr jedes Angebot einordnen, auch unseres.

Was den Preis treibt

Vier Faktoren machen den Großteil des Unterschieds aus. Alles andere ist Detail.

Der Umfang

Fünf Unterseiten oder fünfzig. Der offensichtlichste Faktor, aber nicht der wichtigste. Nach der zehnten Seite wird jede weitere deutlich billiger, weil Struktur und Gestaltung stehen.

Wer die Inhalte liefert

Der am meisten unterschätzte Posten. Texte schreiben, Bilder machen, Leistungen sortieren. Übernimmt das die Agentur, kann es leicht die Hälfte des Projekts ausmachen. Liefert ihr es selbst, spart ihr echtes Geld. Versprecht ihr es und liefert dann nicht, steht das Projekt monatelang.

Funktionen jenseits von Text und Bild

Ein Kontaktformular ist Standard. Ein Buchungssystem, ein Kundenlogin, ein Shop, eine Anbindung an die Warenwirtschaft. Jedes dieser Dinge ist ein eigenes kleines Softwareprojekt.

Wie individuell es aussehen soll

Eine angepasste Vorlage ist günstig und für viele Betriebe völlig ausreichend. Eine eigenständige Gestaltung kostet mehr und lohnt sich, wenn ihr euch sichtbar abheben müsst.

Die drei üblichen Wege

Baukasten zum Selbstbauen

Monatliche Gebühr, meist im niedrigen zweistelligen Bereich, dazu eure eigene Zeit. Für einen Ein-Personen-Betrieb mit einfachem Bedarf ist das eine völlig vernünftige Entscheidung.

Die Rechnung kippt an drei Stellen. Ladezeiten sind systembedingt oft schlecht. Ihr sitzt dauerhaft in einem System fest, aus dem sich Inhalte schwer wieder herausholen lassen. Und die investierte Zeit taucht in keiner Rechnung auf, ist aber trotzdem da.

Agentur mit Redaktionssystem

Der häufigste Weg im Mittelstand, in Deutschland meist auf WordPress-Basis. Einmalige Erstellungskosten, typischerweise im vierstelligen Bereich, dazu laufende Kosten für Hosting und Wartung.

Wichtig zu verstehen. Die Wartungskosten sind bei diesem Weg kein Zusatzgeschäft, sondern notwendig. Ein Redaktionssystem mit Erweiterungen braucht regelmäßige Aktualisierungen, sonst wird es zum Sicherheitsrisiko. Wer euch ein solches System ohne Wartungsplan verkauft, verkauft euch ein Problem mit Verzögerung.

Individuell gebaut

Höhere Einmalkosten, dafür kein Redaktionssystem, das gepflegt werden muss, sehr gute Ladezeiten und keine Abhängigkeit von fremden Erweiterungen. Lohnt sich, wenn die Website Anfragen bringen soll oder Besonderes drinstecken muss.

Das ist der Weg, den wir meistens gehen. Nicht aus Prinzip, sondern weil bei kleinen Betrieben die laufenden Kosten und die Ladezeit über Jahre mehr ausmachen als der Startpreis. Was das konkret heißt, steht auf unserer Seite zu Websites, und wie es in der Praxis aussieht, zeigt die Website mit Terminplaner für Saftjäger.

Die Posten, die im Angebot gern fehlen

Fragt bei jedem Angebot gezielt nach diesen fünf Punkten. Die Antworten sagen mehr über den Anbieter aus als der Preis.

  • Hosting und Domain. Überschaubare Beträge, aber sie laufen dauerhaft. Wichtiger als der Preis ist die Frage, ob die Verträge auf euren Namen laufen.
  • Wartung und Aktualisierungen. Bei Redaktionssystemen unvermeidbar. Lasst euch sagen, was enthalten ist und was extra kostet.
  • Lizenzen für Erweiterungen. Viele Zusatzfunktionen kosten jährlich. Fragt nach der Liste.
  • Änderungen nach dem Start. Was kostet eine neue Unterseite in zwei Jahren? Wer darauf keine klare Antwort gibt, rechnet später nach Aufwand ab.
  • Inhalte. Wer schreibt die Texte, wer macht die Fotos? Steht das im Angebot oder wird es später besprochen?

Woran ihr ein faires Angebot erkennt

Der Preis allein sagt wenig. Diese Merkmale sagen mehr.

  • Es steht drin, was nicht enthalten ist. Ein Angebot, das nur Positives aufzählt, verschiebt die unangenehmen Gespräche nach hinten.
  • Die Zugänge laufen auf euch. Domain, Hosting, Analysewerkzeuge, Google-Profil. Hält ein Dienstleister eure Domain, habt ihr ein Abhängigkeitsproblem, das erst beim Wechsel sichtbar wird.
  • Weiterleitungen sind eingeplant. Bei einem Relaunch müssen alte Adressen auf die neuen zeigen. Fehlt das, verliert ihr einen Großteil eurer bestehenden Sichtbarkeit.
  • Es gibt eine belastbare Kostenaussage. Entweder eine Obergrenze oder eine klare Liste dessen, was den Preis noch bewegen kann. Ein reines „nach Aufwand" ist für euch das komplette Risiko.
  • Jemand hat gefragt, was die Website erreichen soll. Wer direkt über Farben spricht, baut eine Broschüre und kein Werkzeug.

Womit ihr selbst den Preis senkt

Das sind die Punkte, an denen Projekte real teurer werden.

  1. Entscheidet, wer entscheidet. Eine Person mit Freigabebefugnis spart mehr Geld als jede Verhandlung. Abstimmungsrunden im Kreis sind der größte stille Kostenfaktor.
  2. Liefert Inhalte früh und vollständig. Auch unfertige Texte sind besser als keine, daran kann gearbeitet werden.
  3. Sammelt vorab, was euch an eurer alten Seite stört und was ihr an anderen Seiten gut findet. Zwei Beispiele ersetzen zwei Stunden Diskussion.
  4. Sorgt für ordentliche Fotos. Echte Bilder aus eurem Betrieb wirken besser als jedes Kaufbild. Ein halber Tag Fotograf zahlt sich mehr aus als die meisten Zusatzfunktionen.